Ausbildung Finden: Berufe, Gehalt und Bewerbung im Überblick
Wer nach der Schule direkt ins Berufsleben starten möchte, kommt an der dualen Ausbildung kaum vorbei. Sie verbindet praktische Arbeit im Betrieb mit theoretischem Unterricht in der Berufsschule und dauert je nach Beruf meist zwischen zwei und dreieinhalb Jahren. Herzstück dieses Weges ist der Ausbildungsplatz: Erst mit einem unterschriebenen Ausbildungsvertrag beginnt die Ausbildung offiziell.
Dieser Überblick erklärt, was Ausbildungsplätze sind, in welchen Berufen sie angeboten werden, wo man sie findet, mit welcher Vergütung man rechnen kann und wie die Bewerbung Schritt für Schritt gelingt.
Was ist ein Ausbildungsplatz?
Ein Ausbildungsplatz ist eine Stelle in einem Betrieb, die speziell für die Berufsausbildung ausgeschrieben ist. Wer dort anfängt, wird Auszubildende oder Auszubildender genannt und durchläuft einen festen Ausbildungsrahmenplan. Dieser Plan legt fest, welche Tätigkeiten und Kenntnisse in welchem Ausbildungsjahr vermittelt werden.
Typisch für den Ausbildungsplatz sind drei Merkmale:
- Ausbildungsvertrag: Er regelt Dauer, Vergütung, Urlaub und Probezeit schriftlich.
- Duale Struktur: Der Betrieb bildet praktisch aus, die Berufsschule übernimmt die Theorie.
- Abschlussprüfung: Am Ende steht eine Prüfung vor der zuständigen Stelle, zum Beispiel einer Kammer oder einem Berufsverband.
In Österreich und der Schweiz gibt es ein vergleichbares System, dort wird die Ausbildung meist als Lehre bezeichnet.
Welche Ausbildungsberufe gibt es?
Die Auswahl ist groß: Je nach Land und Erfassung existieren mehrere hundert anerkannte Ausbildungsberufe. Sie verteilen sich auf sehr unterschiedliche Bereiche.
Beliebte Ausbildungsbereiche
- Handwerk: Elektronik, Metallbau, Tischlerei, Sanitär- und Heizungstechnik, Friseurhandwerk
- Kaufmännisch und Büro: Büromanagement, Einzelhandel, Groß- und Außenhandel, Industriekauffrau oder Industriekaufmann
- Gesundheit und Pflege: Pflegefachkraft, medizinische Fachangestellte, zahnmedizinische Fachangestellte
- Technik und IT: Fachinformatik, Mechatronik, Elektronik für Automatisierungstechnik
- Gastgewerbe und Lebensmittel: Koch oder Köchin, Fachkraft für Gastronomie, Bäckerei, Konditorei
- Soziales und Erziehung: Erzieherische Berufe, sozialpädagogische Assistenz
Duale und schulische Ausbildung
Die meisten Ausbildungsplätze sind dual organisiert. Daneben gibt es schulische Ausbildungen, bei denen die Praxis in Praktika stattfindet und die Schule im Mittelpunkt steht. Schulische Ausbildungen werden häufig im Gesundheits-, Sozial- und Erziehungsbereich gewählt und sind teilweise nicht oder nur gering vergütet.
Wo findet man freie Ausbildungsplätze?
Viele Betriebe besetzen ihre Ausbildungsplätze über mehrere Wege gleichzeitig. Wer systematisch sucht, nutzt am besten eine Kombination:
- Online-Jobbörsen: Filter nach Beruf, Ausbildungsjahr und Umkreis erleichtern die Suche erheblich.
- Berufsberatung: Beratungsstellen bieten Termine, Datenbanken und Bewerbungshilfen an.
- Unternehmenswebsites: Viele Betriebe veröffentlichen ihre Stellen zuerst auf der eigenen Karriereseite.
- Ausbildungsmessen: Hier besteht direkter Kontakt zu Ausbildungsverantwortlichen.
- Praktika und Ferienjobs: Ein Praktikum führt oft direkt zu einem Ausbildungsangebot.
- Persönliches Umfeld: Familie, Bekannte, Lehrkräfte und ehemalige Praktikumsbetriebe kennen häufig freie Plätze.
- Initiativbewerbung: Auch ohne Ausschreibung lohnt sich eine Bewerbung bei passenden Betrieben.
Wichtig: Viele Ausbildungsplätze werden ein Jahr im Voraus vergeben. Wer flexibel beim Beruf oder beim Wohnort ist, hat deutlich mehr Auswahl.
Gehalt: Was verdient man in der Ausbildung?
In der Ausbildung spricht man von Ausbildungsvergütung. Sie wird im Vertrag festgehalten und steigt mit jedem Ausbildungsjahr. Für duale Ausbildungen gibt es eine gesetzliche Mindestvergütung, die regelmäßig angepasst wird. Tarifgebundene Branchen zahlen häufig deutlich mehr.
Typische Größenordnung pro Monat (brutto)
Diese Werte sind nur eine Orientierung. Die tatsächliche Höhe hängt von Branche, Tarifvertrag, Betriebsgröße und Region ab. In Industrie, Bau und öffentlichem Dienst liegen die Vergütungen meist am oberen Rand, im Handwerk und in kleineren Betrieben eher im mittleren Bereich.
Nach dem Abschluss steigt das Einkommen deutlich: Ein typisches Einstiegsgehalt liegt je nach Branche und Aufgabenbereich oft zwischen etwa 2.000 und 3.200 Euro brutto im Monat.
Die Bewerbung: Schritt für Schritt
Ausbildungsplätze sind begehrt. Eine vollständige, gut vorbereitete Bewerbung erhöht die Chancen spürbar.
- Ziel eingrenzen: Wähle zwei bis drei Berufe, die zu deinen Stärken passen.
- Unterlagen zusammenstellen: Anschreiben, Lebenslauf, die letzten beiden Zeugnisse und Nachweise über Praktika oder Kurse.
- Anschreiben anpassen: Nenne den konkreten Beruf, die Stelle und zwei bis drei Gründe, warum du passt.
- Lebenslauf klar strukturieren: Schulbildung, Praktika, Nebenjobs, Kenntnisse und Interessen – übersichtlich und lückenlos.
- Fristen beachten: Viele Betriebe haben feste Bewerbungszeiträume, oft zwischen Herbst und Frühjahr.
- Nachfassen: Nach zwei bis drei Wochen freundlich nach dem Stand der Bewerbung fragen.
- Vorstellungsgespräch vorbereiten: Über Beruf, Betrieb und eigene Motivation informieren und typische Fragen durchsprechen.
- Vertrag prüfen: Dauer, Vergütung, Urlaub, Probezeit und Arbeitszeiten genau lesen, bevor unterschrieben wird.
Häufige Fehler vermeiden
- Standardanschreiben ohne Bezug zum Betrieb
- Rechtschreibfehler und unvollständige Unterlagen
- Zu wenige Bewerbungen – fünf bis zehn sind realistisch
- Zu späte Bewerbung, wenn gute Plätze bereits vergeben sind
Wann sollte man mit der Bewerbung beginnen?
Für einen Ausbildungsstart im Sommer gilt: Ein Jahr vorher mit der Suche beginnen und etwa neun bis zehn Monate vorher die ersten Bewerbungen abschicken. Wer sich später bewirbt, findet oft noch Restplätze, die kurzfristig frei werden. Eine Absage ist kein Endpunkt – Nachrückverfahren und kurzfristige Absagen anderer Bewerber öffnen regelmäßig neue Möglichkeiten.
Häufige Fragen
Ist eine Ausbildung bezahlt?
In der dualen Ausbildung ja. Die Vergütung wird im Vertrag festgelegt und steigt jährlich. Schulische Ausbildungen sind teilweise unbezahlt oder werden nur gering vergütet.
Braucht man einen bestimmten Schulabschluss?
Viele Betriebe erwarten einen Haupt- oder Realschulabschluss, manche auch die Hochschulreife. Entscheidend sind oft Noten in relevanten Fächern, Motivation und Praxiserfahrung.
Was tun, wenn kein Ausbildungsplatz gefunden wird?
Möglich sind ein Praktikum, eine berufsvorbereitende Maßnahme, ein weiterführender Schulbesuch oder eine erneute Bewerbungsrunde für das folgende Jahr.
Fazit
Ein Ausbildungsplatz ist der Einstieg in einen anerkannten Beruf mit Praxisbezug und eigener Vergütung. Der Weg dorthin folgt einem klaren Muster: Beruf auswählen, passende Stellen über Jobbörsen, Beratung, Messen und Praktika finden, vollständige Bewerbungen frühzeitig abschicken und den Vertrag sorgfältig prüfen. Wer mehrere Bewerbungen parallel verfolgt und flexibel bleibt, findet in der Regel einen Platz, der zu den eigenen Stärken passt.
Weitere praktische Anleitungen zu Bewerbung, Ausbildung und Berufseinstieg findest du in den verwandten Ratgebern auf dieser Seite.
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