Pferdefutter und Weidegang

Pferdefutter und Weidegang gehören untrennbar zusammen: Gras ist für die meisten Pferde das natürlichste Grundfutter, liefert aber je nach Jahreszeit, Witterung und Weidepflege sehr unterschiedliche Nährstoffmengen. Wer beides aufeinander abstimmt, versorgt sein Pferd bedarfsgerecht, vermeidet Überfütterung und senkt das Risiko für Verdauungs- und Stoffwechselprobleme. Dieser Leitfaden erklärt, was Weidegras enthält, wie viel Weidegang sinnvoll ist, wann zusätzliches Futter gebraucht wird und worauf bei der Umstellung zu achten ist.

Was ein Pferd täglich braucht

Pferde sind Raufutterfresser. Ihr Verdauungssystem ist darauf ausgelegt, über viele Stunden kleine Mengen faserreiches Futter aufzunehmen. Der Grundbedarf setzt sich aus wenigen Bausteinen zusammen:

  • Struktur und Rohfaser: halten die Verdauung in Gang und beschäftigen das Pferd.
  • Energie: deckt den Erhaltungsbedarf und die Arbeit.
  • Eiweiß: wichtig für Muskulatur und Zellaufbau.
  • Mineralstoffe und Vitamine: unter anderem Kalzium, Phosphor, Magnesium, Zink, Kupfer und Selen.
  • Wasser: ein erwachsenes Pferd trinkt je nach Witterung und Fütterung grob 20 bis 50 Liter pro Tag.

Weidegras kann einen großen Teil dieses Bedarfs decken – aber nicht zu jeder Zeit und nicht für jedes Pferd in gleichem Umfang.

Weidegras als Grundfutter

Frisches Gras besteht zu etwa 70 bis 80 Prozent aus Wasser. Der Rest sind Zucker, Eiweiß, Rohfaser, Mineralstoffe und Fette. Genau diese Zusammensetzung verändert sich im Laufe des Jahres deutlich.

Frühjahr

Junges, schnell wachsendes Gras enthält viel Zucker und Eiweiß, aber wenig Rohfaser. Es ist energiereich und wird von vielen Pferden sehr gern gefressen – genau das macht es für empfindliche Tiere problematisch.

Sommer

Bei Trockenheit und fortgeschrittenem Wachstum steigt der Rohfaseranteil, während Zucker und Eiweiß sinken. Für viele Pferde ist das die unkomplizierteste Weidephase.

Herbst

Nach Regen wächst das Gras erneut und der Zuckergehalt kann wieder ansteigen. Gleichzeitig sinken die Temperaturen, was den Stoffwechsel zusätzlich belastet.

Winter

Abgestorbenes oder gefrorenes Gras liefert kaum noch verwertbare Energie. In dieser Zeit muss der Bedarf fast vollständig über Heu und Ergänzungsfutter gedeckt werden.

Wie viel Weidegang ist sinnvoll?

Es gibt keine einheitliche Antwort. Die richtige Menge hängt von Rasse, Alter, Gewicht, Gesundheitszustand, Arbeitseinsatz und Weidequalität ab.

  • Leichtfuttrige Pferde und Robustrassen profitieren oft von stundenweiser Weide, etwa zwei bis sechs Stunden täglich.
  • Pferde mit hohem Energiebedarf können häufig ganztägig auf die Weide, sofern Heu und Kraftfutter entsprechend angepasst werden.
  • Empfindliche Pferde mit Neigung zu Hufrehe, Übergewicht oder Stoffwechselproblemen brauchen eine individuell geplante Weidezeit, oft mit Maulkorb oder auf mageren Flächen.

Als grobe Orientierung für die Fläche gilt: Je magerer die Weide und je größer die Fläche pro Pferd, desto geringer ist die aufgenommene Grasmenge. Kurz abgefressene, karge Flächen sind für leichtfuttrige Pferde meist besser geeignet als saftige, hohe Weiden.

Anweiden: Schritt für Schritt

Die Umstellung von Heu auf Gras ist eine der häufigsten Ursachen für Verdauungsprobleme. Der Darm braucht Zeit, um sich an das neue Futter anzupassen.

  1. Mit wenigen Minuten Weide beginnen, etwa 10 bis 15 Minuten am ersten Tag.
  2. Die Weidezeit täglich um 5 bis 10 Minuten steigern.
  3. Die vollständige Weidezeit erst nach zwei bis drei Wochen erreichen.
  4. In der Umstellungsphase weiterhin ausreichend Heu anbieten.
  5. Die Heumenge erst langsam reduzieren, wenn die Weidezeit dauerhaft hoch ist.
  6. Morgens ist das Gras zuckerärmer als am späten Nachmittag – empfindliche Pferde profitieren von einem frühen Weidegang.

Weidemanagement: Qualität steuern

Wie viel Nährstoffe ein Pferd aufnimmt, lässt sich über die Bewirtschaftung der Fläche beeinflussen:

  • Umtrieb: Weideflächen in Abschnitte teilen und regelmäßig wechseln, damit Gras nachwachsen kann.
  • Abweiden lassen, nicht überweiden: zu kurze Flächen schädigen den Aufwuchs.
  • Koppelpflege: Kot absammeln, unerwünschte Pflanzen entfernen und kahle Stellen nachsäen.
  • Düngung sparsam: stark gedüngte Weiden liefern deutlich mehr Eiweiß und Energie.
  • Giftpflanzen kontrollieren: kritische Pflanzen sollten vor dem Weidegang entfernt werden.

Ergänzungsfütterung während der Weidesaison

Auch bei ganztägigem Weidegang ist Zusatzfutter oft sinnvoll oder notwendig.

  • Heu: bleibt die wichtigste Ergänzung, besonders bei stundenweiser Weide und bei nassem oder kaltem Wetter.
  • Mineralfutter: deckt Mineralstoffe und Spurenelemente, die Gras nicht zuverlässig liefert.
  • Salz: unterstützt den Wasserhaushalt, vor allem bei schweißtreibender Arbeit.
  • Kraftfutter: nur bei echtem Mehrbedarf durch Arbeit, Zucht oder Aufzucht.
  • Wasser: immer frisch und in ausreichender Menge bereitstellen.

Risiken bei zu viel Weidegras

Zu viel energiereiches Gras kann ernsthafte Probleme auslösen. Dazu zählen:

  • Übergewicht: begünstigt Stoffwechselerkrankungen und belastet Gelenke.
  • Hufrehe: eine schmerzhafte Entzündung im Huf, die unter anderem durch zu viel Zucker und Stärke begünstigt wird.
  • Verdauungsstörungen: Durchfall, Kotwasser oder Koliken durch abrupte Futterwechsel.
  • Verhalten von Herden: rangniedrige Tiere fressen oft zu wenig oder zu hastig.

Ein langsames Anweiden, angepasste Weidezeiten und regelmäßige Kontrolle von Gewicht und Körperzustand sind die wirksamsten Vorsichtsmaßnahmen.

Fütterung bei Winterpause und Weideknappheit

Wenn keine Weide verfügbar ist, wird der Bedarf vollständig über Raufutter gedeckt. Als Richtwert gelten etwa 1,5 bis 2 Kilogramm Heu pro 100 Kilogramm Körpergewicht und Tag. Ein Pferd mit 500 Kilogramm frisst demnach rund 7,5 bis 10 Kilogramm Heu täglich. Zusätzlich sind Mineralfutter und je nach Arbeit Kraftfutter sinnvoll. Die Umstellung von Weide auf Winterfütterung sollte ebenfalls schrittweise erfolgen.

Praktische Checkliste

  • Weidezeit an Rasse, Gewicht und Gesundheit anpassen.
  • Anweiden über mindestens zwei Wochen strecken.
  • Heu als Basis beibehalten.
  • Mineralfutter ganzjährig geben.
  • Wasser täglich frisch anbieten.
  • Körperzustand regelmäßig überprüfen.
  • Weideflächen wechseln und pflegen.

Wann man Fachleute hinzuziehen sollte

Bei wiederkehrenden Verdauungsproblemen, Lahmheit, unklarer Gewichtsentwicklung oder bekannten Stoffwechselerkrankungen ist tierärztlicher Rat sinnvoll. Eine fachkundige Fütterungsberatung kann helfen, Rationen aus Heu, Gras und Ergänzungsfutter genau auf das einzelne Pferd abzustimmen.

Fazit

Pferdefutter und Weidegang bilden eine Einheit. Gras ist ein wertvolles Grundfutter, reicht aber allein nicht aus, um den Bedarf ganzjährig zuverlässig zu decken. Wer die Weidezeit an das einzelne Pferd anpasst, langsames Anweiden einplant, Heu und Mineralfutter als Basis beibehält und Risiken früh erkennt, sorgt für eine einfache und gesunde Versorgung. Weitere praktische Anleitungen zu Tierhaltung, Fütterung und Alltagsfragen finden Sie in den weiteren Ratgebern dieser Seite.

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